Hans-Otto B. und seine seltsamen Kunstwerke

Ab sofort werden auf unserer Internetpräsenz außergewöhnliche, geisteskranke, senile und asexuelle Künstler mit unvollständigem Gebiss, dafür aber mitsamt ihren Kunstwerken vorgestellt. Den Anfang macht – wie hätte es anders sein können - Hans-Otto B. aus Freiburg. Bongartz seine Kunst zeichnet sich vor allem durch Nichtexistenz aus, da Bongartz selbst das Kunstwerk ist…
Dies fällt jedoch erst auf, wenn Bongartz in entsprechende Pose gebracht wird – beispielsweise in einem Hochhaus, welches zum Abriss bereit steht.

Bongartz versteht es in regelmäßiger Perfektion und in allen Situationen, die Grenzen zur Debilität zu durchbrechen. Die Installation “Bongartz auf Balkon eines Abrisshochhauses” (siehe Bild oben) spiegelt die vollkommene Sinnfreiheit Bongartz’scher Kunstwerke wider. Sinnfreiheit ist es auch, die der Künstler dem Betrachter vermitteln will. Mit 2-Euro-Lesebrille auf eine meterlange Abfallröhre blickend, dabei den rechten Arm auf das Balkongeländer eines dem Tode geweihten Hochhauses gelehnt, während der Daumen der linken Hand lässig in der Gesäßtasche einer ausgewaschenen Jeans verweilt, soll aussagen, dass Bongartz der Sprengung eines maroden Gesellschaftssystem gelassen entgegen sieht. Untermauert wird dies durch sein grenzdebiles Grinsen, welches aus seinen Installationen nicht mehr wegzudenken ist und auch in der Installation “Bongartz in Bauschutt-Container” vorzufinden ist.

In einem leeren Bauschutt-Container stehend und in der rechten Hand seine 2-Euro-Lesebrille haltend, übt Bongartz mit diesem Werk zweifelsfrei lauthals Gesellschaftskritik. Getreu dem Motto “Die Ratten haben das sinkende Schiff verlassen” sieht sich Bongartz als Kapitän eines zum Untergang verurteilten Gesellschaftssystems. Nur noch der Kapitän ist an Bord (respektive im Container) und erwartet blöd grinsend das Ende, welches in Form einer unscharfen Bretterwand unaufhaltsam auf Bongartz zusteuert.

Mit “Bongartz hinter Absperrgittern”, will der Künstler auf seine gesellschaftliche Ausgrenzung aufmerksam machen – eine Änderung der Situation wünscht Bongartz jedoch nicht, sonst würde dieses an Schwachsinnigkeit erinnernde Grinsen nicht seine Gesichtszüge umspielen. Er will damit die ihm innewohnende Zufriedenheit über seine gesellschaftliche Position in unserem System glaubhaft transportieren, was ihm auch sehr gut gelingt.

Bongartz ist ein Künstler, der sich in den 70er und 80er Jahren von Joseph Beuys inspirieren ließ und mit unterschiedlichem Erfolg bereits in den 80er Jahren versuchte, Beuys nachzueifern, indem er verfaulende Eier, eine Kuckucksuhr (der Kuckuck wurde durch eine Hitlerfigur ersetzt), ein altes Radio, Sägespäne und andere Materialien in eine Vitrine stopfte und den BetrachterInnen völlige Interpretationsfreiheit ließ. Leider gibt es von dieser Installation keine Bilder mehr. Lange Zeit drückte sich Bongartz davor, neue Vitrinen mit seiner Kunst zu füllen – er erfand immer neue Ausreden für seine andauernde Untätigkeit. Hier ein kleiner Auszug: “Meine derzeitige Wohnsituation ist beschissen, ich kann mich in meiner Bruchbude nicht konzentrieren, die Vermieter beobachten mich, es ist zu kalt, die SPD kümmert sich nicht mehr um mich, es ist zu heiß, in mein Zimmer wurde eingebrochen, es ist zu lau, meine Mitbewohner beklauen mich, die Gesellschaft ist pervers, die Polizei ist hinter mir her, die Kinder in der Straßenbahn sind zu laut, die katholische Kirche hat mein Leben kaputt gemacht, in China ist ein Sack Reis umgefallen, meine Mutter war eine Nutte, alle anderen sind schuld, ich werde ausgegrenzt, ich stehe nicht im Mittelpunkt der Gesellschaft, mein Gebiss wackelt, ich muss zur Polizei, ich bin kaputt, in der Waldorfschule konnte ich nichts klauen, undsoweiterundsofort”.

Der Bann scheint bei Bongartz nun gebrochen zu sein, da er vor ein paar Tagen mit einer Vitrine vor meiner Tür stand. Hier sein neuestes Kunstwerk:

Seine Installation nennt er “Spiel mit dem Feuer”. Zu sehen sind zwei vergoldete Bilderrahmen, zwei Schlüssel, ein angekokelter Engel und jede Menge Silberdraht, der die Installation zusammenhält. Wie in seinen alten Werken, so lässt Bongartz auch in seinem neuen Werk dem Betrachter völlige Interpretationsfreiheit – vermutlich, weil er selbst nicht weiß, was er damit eigentlich ausdrücken wollte und darauf hofft, dass jemandem eine schlaue Aussage für diese Installation einfällt, die er dann gerne aufgreift und ausschmückt. Bongartz braucht eine externe Initialzündung zur Erklärung seines Schaffens – von selbst kommt er nämlich nicht drauf. Dies deckt sich mit seinen Bildinstallationen, über die er Sinnfreiheit propagieren will. Er nennt es: “Freiheit der Sinne”.

Zu seiner Installation “Spiel mit dem Feuer” meinte Bongartz noch, dass es die gegenwärtige Finanzkrise veranschaulichen soll und daher alles mit Silberdraht umwickelt wurde. “Verstrickt in einer Finanzkrise – die Schlüssel, um aus dieser Finanzkrise herauszukommen, befinden sich in der Krise selbst. Sollten sie nicht gefunden werden, so hilft nur eine Engelsgeduld, bis die Krise auf natürlichem Wege überwunden werden kann” – diese Erklärung empfahl ich Bongartz, als er mir seine 5-Minuten-Terrine-Installation unter die Nase hielt. Er war davon begeistert und wird mit dieser Erklärung versuchen, sein Kunstwerk an den Mann oder die Frau zu bringen.

Bongartz suchte mich heute auf und teilte mir mit, dass er sein Kunstwerk verschenkt hätte – an die städtische Müllabfuhr. “Haben die sich wenigsten gefreut?”, fragte ich nach. “Nunja, sie müssen meine Installation erstmal finden”, entgegnete der Künstler daraufhin.

Möchten Sie uns Ihre Kunst auch vorstellen? Sind Sie der Meinung, dass Sie als Künstler völlig unterbelichtet unterbewertet sind? Schicken Sie uns Bilder Ihrer Kunstwerke, wir werden diese dann auf Pseudolus veröffentlichen! Falls Ihnen nichts zu Ihren Kunstwerken einfällt, so ist dies kein Problem – dafür sind wir ja da.

Dr. Satori.


Lesen Sie auch den “Sonderbericht über den Künstler Hans-Otto Bongartz”

 

Weitere Informationen über den Freiburger Aktionskünstler Hans-Otto Bongartz, gibt es auf seiner MySpace-Internetpräsenz.


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